,,Shukaku, hör auf. Du machst es mir nur schwer zu gehen, wir können später noch schmusen.“
,,Schmusen? Was soll das denn bitte schon wieder heißen?“
,,Klappe halten.“
,,Wir kommunizieren gerade über Telepathie. Normalerweise benutzt man da nicht seine Klappe.“
,,Shukaku, hör auf zu denken. Rihorns sind nicht dafür gemacht, dass müsstest du als Rassenangehöriger doch wissen.“
,,Grr…Gnade dir Gott, dass du mich regelmäßig fütterst..!“
Doch plötzlich unterbrach ein starker Wind das Privatgespräch der zwei. Die plötzliche Böe fegte durch die mäßig beleuchtete Straße, der Kay sogar dazu anleitete, ein wenig zu stolpern. Hustend blickten er und Rihorn nach oben, doch sahen nichts mehr als eine schwarze, unheilvolle Wand aus Nachtwolken.
,,Jetzt aber schnell ein Hotel auftreiben.“
,,Fandest du das nicht ein bisschen merkwürdig, Kay?“
,,Shukaku! Nicht denken!“
Als der Himmel im Inbegriff zu gießen anzufangen, schwang sich der rothaarige Junge auf sein Rihorn und ritt behände durch einen mittlerweile geschlossenen Boulevard.
,,Mit welchem Recht leistest du dir die Frechheit, nach solchen Beleidigungen, auf mir zu reiten?“
,,Hör‘ mal, Shuka. Ich bin zwar nicht Meteorologe, aber wenn man sich den Himmel so ansieht, schaut es ganz danach aus, als könne es jeden Moment regnen!“
,,Regen…. Pfui, Teufel.“
Nun bewegten sich Rihorns kurze Beine noch schneller. Durch sein spitzes Horn windschnittig gebaut, ließ er die Atmosphäre um sich herum zerbersten. Seine dumpfen Schritte, tiefgestimmt durch sein Gewicht, hallten an den Bauten Saffronias hin und her, als würde ein übergewichtiges Pferd die Straßen unsicher machen. Shukaku fiel es nicht schwer den eher schlanken Jungen zu tragen. Im Gegenteil, in Kanto wurden gelegentlich Rihornrennen veranstaltet. Kays müde Augen zischten durch die Dunkelheit und warfen das Straßenlampenlicht zurück,sie waren immer noch auf der Suche nach einer Unterkunft.
,,Hättest du einen Reiseleiter mit genommen, wäre das alles viel einfacher!“
Kay antwortete nicht auf diese genervte Feststellung, schließlich war seine gesamte Konzentration auf ein bestimmtes Ziel gerichtet. Geschwind packte er Shukakus Horn und zog es wie einen Hebel nach hinten. Das Rihorn brüllte beängstigend laut, bäumte sich auf wie ein ängstliches Ross, sank schließlich doch wieder auf den Boden. Sein gelbes, bohrerartiges Horn diente für seinen Reiter als Bremse. Es selbst hatte keine Nerven in sich, von daher juckte es Shukaku nicht, wenn er es in Gestein stößt oder jemand dagegen schlägt.
,,Gut gemacht, Shuka! Wir haben anscheinend unser Ziel erreicht, dort!“
Kay stieg von dem Gesteins-Pokémon herunter, seine Schenkel schmerzten ein wenig, doch er war mittlerweile daran gewöhnt auf Shukakus hartem Rücken zu reiten. Voller Hoffnungen deutete er mit seiner rechten Hand auf ein noch beleuchtetes, etwas größeres Hotel.
,,Sieht doch eigentlich ganz ordentlich aus!“
,,Und ob, Shuka!“
Mit froher Mine rangelte er sich zum Check-In, wobei der Anlass zum rangeln keine Menschen waren, sondern das Gewicht seines Rihorns. Mit viel Anstrengung zog er es die Treppen hinauf, steindumpfe Geräusche ertönten. Es hörte sich an, als würde man einen Backstein einen Hausflur hinunter rollen.
,,Kay!”
,,Mhh, ja?”
,,Warum machst du es dir schwer, wenn es auch einfach geht? Wofür hast du ein Gehirn und einen Pokéball?“
,,Oh, mein Fehler.
,,Und du meinst ich wäre nicht schlau."
Sich aus Dummheit die Hand an den Kopf schlagend zückte er einen rotweißen Ball von seinem Gürtel und rief Rihorn zurück. Ein roter, warmer Strahl umschloss Shukaku, nachdem sich Kay und er telepathisch „Gute Nacht“ gesagt hatten und sog es ein. Die Kapsel klappte zu und Kay öffnete verlegen die Tür, streckte seinen Kopf in das bunte Foyer. Müde schlenderte er zum Drücker, zu genervt für ein Gespräch verlangte er ein Zimmer für die Nacht.
,,Ein Zimmer.“, schnaubte er unverschämt wie er war. Das Personal antwortete nicht, worauf Kay die Augen verdrehte. ,,Bitte.“
Mit trüben Augen wühlte er in seiner linken Tasche, auf der Suche nach seiner schon oft verloren gegangenen Brieftasche.
Bitte lass sie nicht flöten gegangen sein, bitte lass sie nicht…
Puh, da ist sie.
Als hätte der müde Kerl zwei linke Hände klappte er das Ledertäschchen nach zwei Fehlversuchen auf. Nur ein kurzer Blick verriet ihm, dass er zum Glück noch genug Geld hatte, um zu bezahlen. Nicht allzu elegant zog er den verfilzten Schein aus seinem Portemonnaie, übergab ihn der Person am Schalter. Unsicher nahm sie das Geld an, knickte es skeptisch und antwortete auch nicht, beleidigt, wegen der Umgangsart des Rotschopfes. Sie legte es in die Kasse, überreichte dem Jungen einen funkelnden Schlüssel. Mit einem gespielten Lächeln nahm Kay das Fragment an, prüfte es, 1408.
,,Wo liegt das?“, fauchte der Junge. Erst später bekam er eine ebenso zischelnde Antwort.
,,Aufzug, 2 Stock. Gang durch, rechts.“
Der junge Trainer schlenderte durch das Treppenhaus, folgte der Wegbeschreibung und nahm folglich den Aufzug. Das Hotel befand sich am Stadtrand, abgelegen von anderen Gasthäusern. Es war mittelgroß, kein 5-Sternehotel, dementsprechend jedoch günstig. Für Trainer war es wohl DIE Bleibe, für desöfteren Reisende, wie Kay es war, noch besser, da diese eh nicht viel von Komfort verstanden. Letztendlich doch guten und müden Mutes suchte er sein Zimmer, das er nach ein paar Missverständnissen fand. Auf seinem Weg war er einem Mann in Soldatendress begegnet, welcher ihm sofort ins Auge gestochen war.
Sieht man nicht allzu oft hier in Kanto. Der ist doch bestimmt auf Mission.
Unteranderem war ihm eine Uhr in die Sicht gefallen, nur unschwer konnte er sie erkennen.
Schon so spät? Ab in die Heier! Für heute streiche ich das Mentaltraining, Shukaku hatte heute schon genug Stress!
Kay drehte den Schlüssel ohne große Mühe im ebenfalls goldlackiertem Schloss und stoß sie auf. Ein frischer Wind kam ihm entgegen, den er nicht erwartet hätte. Der Trainer schaltete das grelle Licht ein. Schlecht sah das Zimmer nicht aus. Es war schön sauber gefegt, die Wände glänzten förmlich und es herrschte eine gemütliche Atmosphäre. Er eilte ins Bad, machte sich fertig fürs Bett, wozu Zähne putzen, duschen und umziehen gehörten. Alles, was er dazu brauchte fand er im Hotel und beziehungsweise oder in seiner Reisetasche. Das duschen kostete ihn besonders viel Überwindung, da er es hasste sich Abends noch groß anzustrengen. Ein Seufzen, dann ließ der Junge sich ins weiche Bett fallen. Es folgte sein abendliches „Ritual“.
Kay legte sich gestreckt zur Seite, zuvor hatte er die Decke unter ihn gelegt. Dann bedeckte er sich vollends mit dem weichen Laken. Kurz und knapp hätte man sagen können, dass er eingerollt war, nur sein Kopf guckte raus. Er liebte es so zu liegen, nur auf diese Weise konnte er schlafen. Ein letztes Mal stoß er seinen Arm aus der umgebenden Decke und zückte eine braune Flöte aus Ebenholz aus seinem Rucksack, der sich neben dem rötlichen Bett befand.
Wie er es liebte nachts vor dem Schlafengehen noch leise eine Melodie zu spielen. Es beruhigte ihn einfach, die sanften Töne störten auch keinen Nachbarn, da die Melodie einfach zu friedlich war, als das sie jemand hätte aufwecken können. Das Lied an sich war tief, melancholisch und langsam. Als Kay das 2Minuten lange Stück beendet hatte, deckte er sich wieder zu, seine Flöte fest umklammernd. Darauf schlief er auch schnell ein und machte sich auf einen weiteren Tag in der für ihn noch fremden Saffronia-City gefasst, keine Träume plagten den frechen Jungen, nicht heute jedenfalls.
OT: BIn bei Opa und Indoril.
Dieser Beitrag wurde bereits 13 mal editiert, zuletzt von »TopazTobutz« (18. Januar 2009, 18:13)