• Es ist wieder Zeit für unsere Pokémon-Kolumne Was für ein Pokémon bist du? Diese Frage stellt unser Pokémon-Forscher @Wenlok Holmes an jedem zweiten Donnerstag und nimmt für euch eines der zahlreichen Taschenmonster unter die Lupe. Klickt auf Weiterlesen und entdeckt mit ihm gemeinsam Aktuelles und Vergangenes, Lehrreiches und Kurioses aus 20 Jahren Pokémon-Geschichte. Seinen Bericht gibt es für euch als Text und Video. Ihr habt außerdem die Möglichkeit, anschließend eure Ansichten, Meinungen und Kommentare im BisaBoard zu hinterlassen.



    Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von Was für ein Pokémon bist du? Letztes Mal haben wir uns einem Pokémon gewidmet, das seinen Auftritt, wie man so schön sagt, by popular demand erhalten hat; heute soll es um ein Taschenmonster gehen, dessen Wahl zumindest Schnittmeister Nexy als „merkwürdig“ eingestuft hat. Aber natürlich können wir nicht immer nur die Pokémon vorzeigen, die sowieso jeder seit Jahren schon in- und auswendig kennt; auch jene, die auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär wirken, erzählen manchmal ihre ganz eigenen und spannenden Geschichten. Mein Beweisstück heute stammt aus der fünften Generation:


    #524 Kiesling


    Ausgewählt habe ich dieses Gestein-Pokémon, weil es für mich die fünfte Generation sehr gut repräsentiert. Erinnern wir uns: Die Einall-Region sollte für sich stehen, unabhängig von allen anderen, mit ihren ganz eigenen Pokémon. Ob das eine gute Idee war, sei mal dahingestellt, aber spätestens als es an das Design der Höhlen in der Region ging, scheinen sich die Entwickler in eine gestalterische Sackgasse manövriert zu haben. Irgendwas musste es da jetzt ja zu fangen geben und es konnte nicht Zubat sein – diese Superschall-Pest hatte uns ja schon lange genug das Leben schwerer gemacht als es sein musste. Vermutlich hat man sich da gefragt „Okay, was gibt es denn so in Höhlen?“, und wahrscheinlich der Praktikant aus der letzten Reihe schlug dann vor: „Steine!“. Denn ja, kleine Steine, sozusagen … Kleinsteine! – das gab’s noch nie, äußerst innovativ! Passend dazu gab es dann mit Fleknoil auch eine Fledermaus – völlig neues Konzept! Ironischerweise entpuppte sich diesmal jedoch der Stein als das lästigere Pokémon: Da man beschlossen hatte, dass die Fähigkeit Robustheit von nun an auch vor One-Hit-Kills schützen sollte, brauchte man immer mindestens eine nervige zweite Runde, um Kiesling zu besiegen – dank Bruchrüstung ist immerhin das neuerdings in Alola schonmal kein Problem mehr.

    Doch lassen wir den Sarkasmus mal beiseite. Auch wenn es ähnlich nervig war wie Zubat, kann man vor allem sagen, dass Kiesling wirklich so eine Art Kleinstein 2.0 ist: Beides sind eben kleine Felsbrocken, haben die Fähigkeit Robustheit und auch recht ähnliche Statuswerte. Beide sind vom Typ Gestein; der Boden-Typ, der die Steine der ersten Generation so schrecklich anfällig für Wasser- und Pflanzen-Attacken gemacht hat, wurde bei Kiesling sozusagen als Nachkorrektur entfernt. Und beide haben eine ähnliche Entwicklungsreihe: Auf Level 25 entwickelt Kiesling sich nämlich zu Sedimantur, das sich dann durch einen Pokémon-Tausch zu Brockoloss weiterentwickelt – genau wie Georok durch Tausch zu Geowaz wird.

    Wer online mal eine Diskussion darüber gelesen hat, welche Generation denn die beste sei, weiß, dass es auf der einen Seite die Gen.1-Nostalgiker gibt und auf der anderen Leute, die ihnen dann so Argumente entgegenhalten wie „Oh ja, natürlich waren die Designs damals total kreativ! Ein Stein mit einem Gesicht drauf! Wow!“. Tja sagt, was ihr wollt, aber der Gen.5-Stein wiederum hat nicht einmal ein Gesicht! Um genau zu sein, hat Kiesling nämlich nur ein Ohr: Die sechseckige Öffnung an seinem Körper dient seinem Gehörsinn, mit dem Kiesling sich orientiert. Ansonsten ähnelt es einer Geode; das einfach gesagt ein von Vulkangestein umschlossener Hohlraum, der oft auch mit Kristallen gefüllt ist. Mit seinen Füßchen und dem kleinen Zipfel obendran erinnert es jedoch auch an einen Bob-Omb aus Super Mario. Ist auch nicht ganz unpassend, denn in seinem Inneren befindet sich eine Energiesphäre und tatsächlich kann es auch Explosion erlernen.

    Ein bisschen Unrecht tut Kiesling vielleicht sein Name, der sich aus den Wörtern Kies und Fiesling zusammensetzt; zumindest das Exemplar, das Ash im Anime gefangen hat, war trotz seiner harten Schale ein sehr weichherziges Pokémon und setzte sich oft für andere ein. Bei der japanischen Namensherkunft habe ich übrigens interessante Entdeckungen gemacht, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Im Original heißt das Pokémon nämlich ダンゴロ Dangoro, ein Name, der wie bei uns auch aus zwei Teilen besteht: Zum einen aus 団子 Dango, das sind süße japanische Klöße, die die meisten von euch vermutlich von diesem dreifarbigen WhatsApp-Emoji kennen . Und zum anderen aus ゴロゴロ Gorogoro, dem japanischen Geräuschwort für das Rollen von Steinen. Jetzt weiß ich nicht nur, warum Kiesling bzw. Dangoro so heißt, sondern auch, woher die Goronen aus Zelda ihren Namen haben. Man lernt eben nie aus!



    So und das war’s mal wieder. Wie findet ihr Kiesling? Habt ihr lieber Brockoloss oder Geowaz im Team? Welches Pokémon geht euch in Höhlen am meisten auf den Geist? Und wer hat schonmal echte japanische Klöße gegessen? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

    Nexys Reaktion auf das, was ich mir für die nächste Ausgabe ausgedacht habe, lautete übrigens „Muss ich erstmal googlen“, gefolgt von einem „Sieht aber spannender aus“ – freut euch schonmal drauf!
    Euer Wenlok



    Was für ein Pokémon bist du? ist Teil der Bisatainment-Aktionen und entsteht in Zusammenarbeit mit dem YouTube-Team von Bisafans.

    Audio: Wenlok Holmes
    Aufnahme / Material: Wenlok Holmes & @Nexy
    Schnitt: @Nexy
    Text: Wenlok Holmes
    Weiterführende Links