• Es ist wieder Zeit für unsere Pokémon-Kolumne Was für ein Pokémon bist du? Diese Frage stellt unser Pokémon-Forscher @Wenlok Holmes an jedem zweiten Donnerstag und nimmt für euch eines der zahlreichen Taschenmonster unter die Lupe. Klickt auf Weiterlesen und entdeckt mit ihm gemeinsam Aktuelles und Vergangenes, Lehrreiches und Kurioses aus 20 Jahren Pokémon-Geschichte. Seinen Bericht gibt es für euch als Text und Video. Ihr habt außerdem die Möglichkeit, anschließend eure Ansichten, Meinungen und Kommentare im BisaBoard zu hinterlassen.



    ¡Hola y bienvenido a otro episodio de ¿Lo que un Pokémon es usted?! Das war Spanisch (und womöglich falsch, denn ich hab einfach Google Übersetzer genommen) und bevor ihr euch fragt, was hier eigentlich los ist, sag ich’s euch direkt: Ich hatte gestern Geburtstag! Und nachdem wir dies bereits ausgiebig gefeiert haben, möchte ich heute hier noch ein bisschen der Partystimmung an euch weitergeben. Unterstützt werde ich dabei von einem meiner absoluten Lieblingspokémon, einer richtigen Stimmungskanone aus der dritten Generation:


    #272 Kappalores


    ¿Kommt euch mein Einstieg immer noch spanisch vor? Dann werfen wir doch mal einen Blick auf Kappalores‘ Entwicklungsreihe: Die fängt an mit Loturzel, einem kleinen, entenartigen Wesen mit einem Seerosenblatt auf dem Kopf, das im Übrigen gemeinsam mit seinen Entwicklungen als Einziges die Typenkombination Wasser/Pflanze vertritt. Auf Level 14 wird es zu Lombrero und das Design wird plötzlich multikulturell: Denn zum einen erinnert Lombrero an den typisch japanischen Kobold Kappa, seines Zeichens ebenfalls ein geschnabeltes Wesen, das auf dem Kopf eine mit Wasser gefüllte Schale trägt, ähnlich wie Lombrero mit seinem Seerosenblatt. Manche von euch kennen Kappas vielleicht aus Animal Crossing, denn der Käpten und seine Familie sind genau solche. Zum anderen erinnert Lombrero mit seiner „Kleidung“ und dem breiten Hut an einen mexikanischen Mariachi im traditionellem Sombrero und Charro-Anzug. Und sein immer aufmüpfiger Gesichtsausdruck scheint ganz im Stil eines Western-Desperados sagen zu wollen „Diese Stadt ist nicht groß genug für uns beide“. Gibt man diesem Hombre nun einen Wasserstein, wird daraus Kappalores, ein Pokémon, bei dem ich gar nicht genau weiß, wo ich überhaupt anfangen soll, das Design zu erklären.
    Versuchen wir es so: Kappalores ist eine Ente – oder vielleicht auch ein Schnabeltier. Aber es ist auch eine Ananas – das sieht man seinem Fell an. Aber es hat auch eine Ananas – oben auf dem Kopf nämlich. Und die Ananas kommt woher? Genau, aus Süd- und Mittelamerika, unter anderem aus Mexiko. Und was trägt man in Mexiko? Poncho und Sombrero natürlich, genau wie Kappalores! In keinem anderen Pokémondesign, glaube ich, lassen sich so viele nationale Stereotypen wiederfinden wie in diesem und genau das macht Kappalores zu einer liebevoll politisch unkorrekten Klischeeschleuder, wie sie nur aus dem weltverschlossenen Japan kommen kann. ¡Ay caramaba!

    Der ursprüngliche Bezug zum japanischen Kobold zeigt sich hier offensichtlich auch im Namen: Kappalores. Das Pokémon ist auf eine gewisse Weise aber mit noch einem Yokai (so nennt man diese Fabelwesen aus Japan) verbunden: Das Pflanze/Unlicht-Pokémon Tengulist bildet nämlich eine Art Gegenstück zu Kappalores. Es basiert auf dem geflügelten Kobold Tengu, der sich durch seine besonders lange Nase auszeichnet. Beide Taschenmonster haben eine ähnliche Entwicklungsreihe, sind aber auf unterschiedlichen Editionen erhältlich: Während das im und am Wasser lebende Kappalores passenderweise von der Saphir-Edition kommt, gibt es Tengulist, das sein Dasein an Bäumen fristet, wiederum in der Rubin-Edition. Auf diese Weise bilden die beiden zusammen eine Art Mythen-Duo.

    Der zweite Teil von Kappalores‘ Namen kommt übrigens von Kokolores – das heißt so viel wie alberner Quatsch. Denn zum spaßigen Rumalbern ist das Sorglos-Pokémon immer aufgelegt – auch wenn man das seinen Attacken leider nicht so besonders ansieht. Als klassischer Steinentwickler kann es durch Level-Up nämlich so gut wie gar nichts erlernen. Immerhin durch Zucht ist es aber möglich, ihm neben Spaßkanone über Umwege auch noch ein paar Tanzschritte beizubringen – die zu Pandirs verwirrendem Taumeltanz nämlich.

    Und ums Tanzen und die Freude an der Fiesta dreht sich bei Kappalores einfach alles. Das Pokémon ist so ein Partyknaller, dass es schlichtweg tanzen muss, sobald es fröhliche Musik hört. Wie uns der Pokédex erklärt, liegt das daran, dass sich seine Zellen im Rhythmus der Musik bewegen und so seine Muskeln mit Energie füllen. Diesen Umstand macht sich auch Anime-Trainer Poncho aus Kappalores‘ Debütepisode So ein Kappalores! zunutze: Er nutzt Conga-Trommeln, um sein Pokémon im Kampf zu unterstützen. Weitere Kappalores aus dem Anime befinden sich im Besitz von Arenaleiter Rocko und Ash-Rivalen Tierno aus Kalos. Letzterer ist seines Zeichens ebenfalls Tänzer und legt mit seinem Partner gern gewagte Choreographien hin.

    Gewagt ist auch das Auftreten eines Kappalores-Trainers aus den Spielen: D. Queen, einer der Vorstände des Team Crypto aus Pokémon Colosseum und Pokémon XD für den GameCube, mutet selbst so ausgefallen und exzentrisch an wie seine mexikanischen Begleiter. Der leidenschaftliche Disco-Liebhaber mit den Schlaghosen und dem Pokéball-Afro würde mit seinen Kappalores eigentlich lieber auf der Tanzfläche zur Dancing Queen werden und sich dem Night Fever hingeben. Stattdessen muss er sich regelmäßig dem Team des Spielers stellen und führt dabei nicht wenige Kappalores in die Schlacht – im Endkampf von Pokémon XD hat er sogar gleich fünf von ihnen dabei.

    Zum Schluss möchte ich mit euch noch etwas aus meiner Fotosammlung teilen. Und zwar war ich vor einigen Jahren mal mit ein paar anderen Pokéfans Eis essen – meine Liebe zu Kappalores war da längst allen bekannt. Wir mussten sehr lachen, als wir auf der Karte folgenden Eisbecher sahen. Er wurde prompt bestellt und schmeckte ganz vorzüglich – äußert sinnvoll investierte 4,90€!




    So und das war’s mal wieder! Wie findet ihr Kappalores? Fallen euch noch weitere Pokémon ein, die auf japanischen Mythenwesen basieren? Oder auch welche, die mit Klischees und Stereotypen spielen? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

    Ach halt, da war noch was! Ich habe nämlich noch eine kleine Geburtstagsüberraschung für euch: Wieder einmal habt ihr die Gelegenheit, vorzuschlagen, welches Pokémon ich euch präsentieren soll. Weitere Infos findet ihr in diesem Thread, ich freue mich auf eure Ideen!




    Was für ein Pokémon bist du? wird euch vom YouTube-Team im Rahmen der Bisatainment-Aktionen präsentiert.

    Audio: Wenlok Holmes
    Aufnahme / Material: Wenlok Holmes & @Nexy
    Schnitt: @Nexy
    Text: Wenlok Holmes
    Wir danken @Kiriki-chan für die Bereitstellung ihrer Kappalores-Zeichnung am Ende des Videos.
    Weiterführende Links