• Es ist wieder Zeit für unsere Pokémon-Kolumne Was für ein Pokémon bist du? Diese Frage stellt unser Pokémon-Forscher @Wenlok Holmes an jedem zweiten Donnerstag und nimmt für euch eines der zahlreichen Taschenmonster unter die Lupe. Klickt auf Weiterlesen und entdeckt mit ihm gemeinsam Aktuelles und Vergangenes, Lehrreiches und Kurioses aus 20 Jahren Pokémon-Geschichte. Seinen Bericht gibt es für euch als Text und Video. Ihr habt außerdem die Möglichkeit, anschließend eure Ansichten, Meinungen und Kommentare im BisaBoard zu hinterlassen.



    Liebe Bisafans,
    Ostern steht vor der Tür! Und auch wenn dieses Fest der Christen nicht ganz so massenkompatibel ist wie Weihnachten, will ich es trotzdem zum heutigen Aufhänger machen. Schlapor oder Owei waren mir allerdings zu offensichtlich, so dass es heute um zwei Kaninchen der etwas anderen Art geht. Aus der ersten Generation präsentiere ich euch:


    #029 Nidoran♀ & #032 Nidoran♂


    Ja, Kaninchen. Die waren nämlich tatsächlich die Designgrundlage für dieses Pokémon-Duo. In welchen nuklearen Abfall die dann hoppeln mussten, dass sie jetzt so knallige Farben und giftige Hörner haben, dürft ihr mich aber auch nicht fragen. Ich weiß nur, dass es genau diese Hörner und Stacheln sind, die den beiden Taschenmonstern nicht nur den Gift-Typ, sondern auch ihren Namen geben: Nidoran – so heißen die beiden in allen Sprachen – leitet sich nämlich vom englischen needle (Nadel) ab. Das mag auf Anhieb nicht so offensichtlich erscheinen, aber wenn man sich in Erinnerung ruft, dass die Japaner dieses englische Wort auch einfach ニードル nidoru schreiben, kommt das schon ziemlich nah dran.

    Das Besondere an Nidoran♀ und Nidoran♂ ist eigentlich so offensichtlich, dass es aus heutiger Sicht beinahe kaum auffällt: die beiden Geschlechter. In der mittlerweile siebten Pokémon-Generation scheint das vielleicht kein großer Wurf zu sein, wir haben schließlich schon alles gesehen: zweigeschlechtliche Pokémon, eingeschlechtliche Pokémon, keingeschlechtliche Pokémon, Pokémon mit unterschiedlichen Geschlechtsformen, Pokémon mit unterschiedlichen Geschlechtsentwicklungen etc. pp. Aber damals, ganz zu Beginn der Spiele, hatte man unter den Taschenmonstern von einem Geschlecht noch nie etwas gehört. Da war es schon außergewöhnlich, einer Spezies gleich zwei Nummern im Pokédex zuzuweisen.

    Aber brauchte man zwei verschiedene Stellen im Dex? Ja – und nicht nur aus technischen Gründen. Denn natürlich sind sich die beiden Nidoran ähnlich, sie haben aber auch ihre Unterschiede. Das zeigt sich nicht nur auf ganz offensichtliche Weise im Äußeren, sondern auch darin, welche Attacken sie lernen: Viele Angriffe können von beiden auf denselben Leveln erlernt werden, doch es zeigt sich auch, dass das Männchen mit Attacken wie Hornattacke oder Hornbohrer im Kampf seine stärker ausgeprägten Stacheln sprechen lässt, während das Weibchen stattdessen seine Zähne einzusetzen weiß und auf den jeweiligen Leveln dann Biss und Giftzahn erlernt.

    Beide haben auch ihre ähnlichen und doch eigenen Entwicklungsreihen: Während sich das Weibchen auf Level 16 zu Nidirona entwickelt, wird aus dem Männchen auf dem gleichen Level Nidorino. Gibt man diesen einen Mondstein, werden aus ihnen jeweils Nidoqueen und Nidoking. Warum dabei jetzt aus den giftigen Mutantenbunnies nun zwei wrestelnde Dinosaurier werden, ist mir auch nicht ganz klar, hängt aber mit Sicherheit damit zusammen, dass die prähistorischen Riesenechsen nach dem Erfolg von Steven Spielbergs Jurassic Park in den 90ern einfach einen großen Hype erlebten. Gerade in der ersten Generation sieht man an Nidoking und –queen, aber zum Beispiel auch Knogga, Kangama, Rizeros und sogar Schlurp, dass es damals einfach nicht verkehrt war, hier und da ein paar Dinos einzufügen (wie wir vor zwei Wochen ja auch an Agumon sehen konnten).

    Der Anime behandelt das Pokémon-Duo in der Episode Liebe auf den ersten Blick! Die shakespearehafte Erzählung handelt von zwei Nidoran, die einander lieben, aber nicht gemeinsam glücklich werden können, da ihre Besitzer sich gegenseitig verabscheuen. Erst durch Mistys Hilfe erkennen die Trainer die Situation ihrer Pokémon und erlauben ihnen die traute Zweisamkeit. Als es dann zu der wahren Liebe Kuss zwischen den beiden Nidoran kommt, entwickeln sie sich sogar – Ende gut, alles gut.
    Und wenn sich eure Nidoran in der Pension lieben, können aus den Eiern sowohl Männchen als auch Weibchen schlüpfen – obwohl es ja eigentlich zwei unterschiedliche Pokémon sind. Dasselbe Prinzip findet man auch bei Volbeat und Illumise wieder.

    Übrigens könnte man ja eigentlich behaupten, die Nidoran hätten ihre Farben verwechselt: Pink fürs Männchen, Blau fürs Weibchen klingt aus unserer Sicht irgendwie verkehrt – wer da seine Nidos sozusagen „richtigrum“ koloriert sehen möchte, muss sie sich schon als Shinies fangen. Vor hundert Jahren jedoch war das völlig normal: Rot und pink als knallig aggressive Farben wurden Jungen zugeschrieben, während das ruhige Blau indes als Farbe der Unschuld und Reinheit den Mädchen vorbehalten war – ganz passend zu Ostern sieht man das ja auch am oft blauen Umhang der Heiligen Jungfrau Maria. In Japan ist dieses Farbverständnis auch bis heute so geblieben. Dass es sich bei uns geändert hat, kam erst in den 1940ern auf und einige Leute sagen, es liege daran, dass die Nazis die schwulen Häftlinge in Konzentrationslagern mit rosafarbenen Abzeichen markierten. Aber was soll man in Modefragen auch erwarten, wenn das Land von jemandem geführt wird, der es nicht einmal auf die Kunstakademie geschafft hat …



    So und das war’s mal wieder. Wie findet ihr dieses Pokémon-Duo? Hat jemand von euch Nidoking oder Nidoqueen im Team? Und wie findet ihr eigentlich Dinosaurier? Ich freue mich auf eure Kommentare!

    Macht's gut und bis bald,
    euer Wenlok



    Was für ein Pokémon bist du? wird euch vom YouTube-Team im Rahmen der Bisatainment-Aktionen präsentiert.

    Audio: Wenlok Holmes
    Aufnahme / Material: Wenlok Holmes & @Nexy
    Schnitt: @Nexy
    Text: Wenlok Holmes
    Weiterführende Links